Lastganganalyse Einsparungen Energieaudit
Zusammenfassung
Viele kennen nur den Jahresverbrauch. Eine Lastganganalyse zeigt Grundlast, Lastspitzen und unnötige Laufzeiten – und macht Einsparungen im Energieaudit erst belastbar bewertbar.

Warum Lastganganalysen Einsparungen erst sichtbar machen – und warum sie im Energieaudit zentral sind
Viele Unternehmen kennen ihren Jahresstromverbrauch sehr genau. Was jedoch oft fehlt, ist die Antwort auf die entscheidenden Fragen: Wann entsteht der Verbrauch – und wodurch genau? Genau hier beginnt der Unterschied zwischen „Energieverbrauch kennen“ und „Einsparungen sicher identifizieren“.
Eine Lastganganalyse (Lastprofil) macht sichtbar, wie sich die Leistung über Zeit verhält – typischerweise auf Basis von 15-Minuten-Werten aus der registrierenden Leistungsmessung (RLM). Damit erkennt man nicht nur wie viel verbraucht wird, sondern wie der Verbrauch zustande kommt.
Jahresverbrauch ist eine Summe – aber keine Entscheidungsgrundlage
Der Jahresverbrauch (kWh) ist am Ende eine Jahressumme. Diese Kennzahl kann nicht zeigen:
- ob Anlagen nachts / am Wochenende laufen, obwohl keine Nutzung stattfindet
- ob sich eine hohe Grundlast aufgebaut hat (z. B. durch Dauerläufer, falsche Betriebsweisen, „vergessene“ Nebenaggregate)
- ob Lastspitzen durch gleichzeitiges Anfahren großer Verbraucher entstehen
- ob das Lastverhalten zur Produktion passt oder „entkoppelt“ ist (z. B. hohe Last in Nicht-Produktionszeiten)
Ohne zeitliche Auflösung werden Maßnahmen häufig pauschal entschieden („Wir tauschen jetzt X aus“), obwohl vielleicht ganz andere Effekte die Kosten treiben – insbesondere dort, wo Leistungspreise/Netzentgelte und Lastspitzen eine große Rolle spielen.
Was die Lastganganalyse konkret sichtbar macht
Eine sauber durchgeführte Lastganganalyse liefert belastbare Antworten – und zwar datenbasiert:
1) Grundlast und Nicht-Produktionsverbräuche
Der Lastgang zeigt die untere Linie des Verbrauchs (Grundlast) und wie sie sich über Nächte, Wochenenden und Feiertage verhält. Häufig liegt hier ein relevanter Anteil „stiller“ Kosten – weil diese Leistung unabhängig von der Produktion anfällt.
2) Leistungsspitzen und ihre Auslöser im Zeitfenster
Lastspitzen sind selten „zufällig“. Im Lastgang sieht man Zeitpunkte und Muster: kurze Peaks, wiederkehrende Peaks, Peaks zu Schichtbeginn etc. Das ist die Grundlage, um Lastspitzenoptimierung (Peak Shaving) technisch sinnvoll zu bewerten – nicht als Bauchgefühl, sondern anhand realer Profile.
3) Betriebszeiten, Schichtmodelle und Anlagenlogik
Lastgänge machen Betriebszustände sichtbar: Start-/Stop-Charakteristik, „durchlaufende“ Nebenprozesse, unplausible Verbräuche außerhalb der geplanten Nutzung. Das ist besonders wertvoll, weil viele Einsparungen weniger mit Hardwaretausch zu tun haben – sondern mit Betriebsführung.
4) Realistische Bewertung von PV-Eigenverbrauch und Speichern
Ob Photovoltaik wirtschaftlich ist, hängt im Gewerbe stark vom Lastprofil ab: Wann fällt Last an, wie hoch ist die Tageslast, wie konstant ist die Grundlast? Ebenso gilt: Speicher dimensioniert man nicht über die Jahressumme, sondern über das zeitliche Profil und die gewünschte Wirkung (Eigenverbrauch erhöhen, Peaks kappen, etc.). (HTW Berlin)
Warum das Energieaudit den Unterschied macht: Lastgang ist kein Einzelbild, sondern Teil eines Systems
Eine Lastganganalyse ist extrem wertvoll – aber sie entfaltet ihren Nutzen erst richtig, wenn sie in einen strukturierten Prozess eingebettet ist. Genau das ist der Kern eines Energieaudits nach DIN EN 16247-1: Analyse nicht isoliert, sondern systematisch, nachvollziehbar und mit Bewertung. In BAFA-Leitfäden zur Berichtserstellung wird die Lastganganalyse explizit als Hilfsmittel zur Beurteilung der energetischen Situation und zur Leistungsoptimierung/Lastspitzenoptimierung beschrieben.
Im Audit-Kontext bedeutet das:
- Verbraucherstruktur erfassen: Welche wesentlichen Verbraucher prägen das Profil wirklich?
- Potenziale quantifizieren: Einsparungen werden nicht „vermutet“, sondern mit Daten und Annahmen transparent gerechnet.
- Maßnahmen bewerten: technisch machbar, wirtschaftlich sinnvoll, priorisierbar (inkl. Invest/ROI, wo möglich).
- Maßnahmenplan statt Einzelmaßnahmen: klare Reihenfolge und Entscheidungsgrundlage für Management und Technik.
So entsteht aus „wir sollten mal etwas tun“ ein priorisierter, nachvollziehbarer Maßnahmenplan.
Praxisfazit: Nicht der Jahresverbrauch entscheidet – sondern das Verbrauchsverhalten
Wie INNOVAT.ing dabei vorgeht
Bei INNOVAT.ing nutzen wir Lastgangdaten als zentrale Datengrundlage im Audit-/Analyseprozess: Wir bereiten die Daten sauber auf, visualisieren Grundlast & Peaks, prüfen Nicht-Produktionszeiten, leiten technisch sinnvolle Ansatzpunkte ab und bewerten Maßnahmen so, dass Entscheidungen belastbar werden – nicht pauschal.